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Zentrale und Zentralisten
Ein Fahrgast, Frau Hilde Gewehr, machte uns darauf aufmerksam, dass es bereits in den 20er Jahren eine Zentrale gab, die diesen Namen verdient. Es handelte sich um ein Holzhäuschen vor dem Bahnhof Elberfeld, etwa 1,50 x 1,50 Meter Grundfläche, in dem u.a. der Vater von Frau Gewehr, Herr Robert Hülsemann, seine 24-Stunden-Dienst verrichtete. Er vermittelte mündlich an andere Halteplätze, die als Nebenstellen (Stöpselpult) gestaltet waren.
Man trug Ledergamaschen und Dienstmützen. Für kalte Wintertage gab´s in der Zentrale einen Gasofen, während die Autos noch keine Heizung hatten. Das Essen brachten die Kinder, und für die Fahrer wurden verschiedene Getränke angeboten. Später zog man um in das Haus in der Alexanderstraße, wo auch das Ordnungsamt untergebracht war. Hier gab es bereits einen Aufenthaltsraum für die Fahrer.
Es gab außerdem eine Zentrale in Vohwinkel (neben dem Bahnhof) und in Barmen am Gemarker Ufer. Auch dort war die Zentrale zunächst nichts anderes als eine Holzhütte, aber schon mit so viel Platz, dass die Fahrer darin Karten spielen konnten. Dauerte das Spiel länger, wurden zwei der Kollegen eingeteilt, die anfallenden Touren zu fahren. Die Einnahmen bekamen aber die Fahrer, deren Autos jeweils benutzt worden waren. Später siedelte man auch in Barmen in festes Gemäuer: ein paar Meter weiter neben den Schwebebahnhof Alter Markt. Der Halteplatz blieb in Sichtweite mit Blick auf den Polizisten, der in seiner Tonne inmitten der Kreuzung Alter Markt den Verkehr regelte.
Ab 1961 wurden die Fahraufträge über Sprechfunk vermittelt. Die Röhrengeräte in den Fahrzeugen nahmen fast den ganzen Kofferraum ein. Der Vohwinkler Rufname war >>Zentrale Stella<<, die Elberfelder Zentrale hieß >>Efta<< (Elberfelder Funktaxizentrale). Mit der Einführung des Sprechfunks wurden die Rufsäulen abgeschafft, über die der Taxifahrer bis dahin auch direkt angerufen werden konnte.
Funksperren konnte man damals ganz wörtlich nehmen: das Funkgerät wurde von einem Vorstandsmitglied mit einer Plombe gesperrt und vom selbigen eigenhändig nach Ablauf der Frist wieder freigegeben. Die Funksperre, die mindestens eine ganze Schicht dauerte, wurde mit Vorliebe auf einen Tag gelegt, an dem der Deliquent einen Außenhalteplatz anfahren musste. Da an diesen Plätzen so gut wie keine Einstiege kamen, machte der Fahrer oft nicht eine Einzige Fahrt.
Schon frühzeitig hatten sich die Barmer zu einem eingetragen Verein zusammengeschlossen. 1959 waren es 15 Unternehmer. Pro Konzession zahlte man einen monatlichen Beitrag von 15,- DM. Der Tarif galt damals einheitlich für ganz Nordrhein-Westfahlen: 70 Pfennig Einschlag und 1.- DM pro Kilometer. Eine Fahrt vom Alten Markt zum Schliemannweg kostete beispielsweise 5,- DM. Noch bis 1965 gab es 4 Tarifstufen: Eins und zwei für Rundfahrten (Stufe zwei bei mehr als zwei Fahrgästen), drei und vier für Zielfahrten (Stufe vier entsprechend ab drei Fahrgästen).
Eine Rundfahrt nahm beispielsweise regelmäßig ein Elberfelder Arzt in Anspruch. Er machte seine Krankenbesuche mit dem Taxi. Da das Taxameter in Stufe eins pro Stunde Wartezeit nur 3,- DM zählte, war diese Fahrt nicht besonders begehrt. Die Zentrale hatte alle Mühe, für den Arzt der sich mit den Tarifen gut auskannte, ein Taxi zu finden. Zur akuten Zeit waren plötzlich alle Halteplätze im Umkreis nicht besetzt.
Die Stufe eins wurde auch für die Anfahrt vom nächst gelegenen Halteplatz bis hin zum Kunden eingeschaltet. Bei einem so komplizierten System kann man sich vorstellen, dass die in solchen Angelegenheiten nicht auf den Kopf gefallenen Fahrer einige Möglichkeiten für Mogeleien fanden.
Die Barmer Zentrale wurde mehrmals vergrößert, vom Gemarker Ufer zog man ins Merkur-Gebäude auf der Höhne und schließlich in den Eigenbau vom Steinweg. Die Unternehmer in Ost uns West wehrten sich lange Zeit gegen den Zusammenschluss der beiden Zentralen. Die IHK und das Ordnungsamt unterstützten aber die Pläne des damaligen 1. Vorsitzenden des Elberfelder Vereins, Gerd Klees, bei seinen Bemühungen um eine Fusion. Er habe, so sagt er, „Barmen erobert“ während das Ordnungsamt gleichzeitig mit der Vergabe von 20 weiteren Konzessionen drohte, sofern die Unternehmer nicht zustimmten. Es zeigte sich sehr bald, dass der Zusammenschluss für alle von Vorteil war.
Gerd Klees wurde später auch 1. Vorsitzender der >>Taxi-Zentrale Wuppertal<< und führte die Geschicke des Vereins (mit kurzen Unterbrechungen) fast 6 Jahre lang. In dieser Zeit habe er „alles gemacht“. Er habe die Rechnungsfahrten und die KV-Fahrten eingeführt und den komplizierten Anfahrplan für die Halteplätze abgeschafft. Er habe die Geschäftsstelle des damaligen Landesverbandes BDT nach Wuppertal geholt und wurde dessen Geschäftsführer. Er habe die Arbeit von Vorstand und Zentralpersonal neu organisiert und habe vor allem nie einen Prozess verloren. Nur ein Vorhaben habe er nicht verwirklichen können: der Umzug in ein größeres Gebäude. Seinem Projekt in der Hünefelderstraße mit Werkstatt, Tankstelle und Aufenthaltsräumen hat der Verein nicht zugestimmt. Es scheiterte an einem Gerücht, demzufolge diese Gebäude für Unsummen renoviert werden mussten. Herrn Klees zufolge war das nicht der Fall, und er bedauert bis heute, dass es nicht geklappt hat.
Erst mit dem Vorstand, 10 Jahre später, ist es gelungen:
Die Taxi-Zentrale bezieht ein neues, größeres Gebäude in Elberfeld am Bornberg 44.
Jürgen Hensgen







